Der richtige Bodengrund

Der Bodengrund im Aquarium wird oft stark unterschätzt. Viele halten ihn nur für den Boden, in den die Pflanzen gesteckt werden.
Dabei kann der richtige Bodengrund so viel mehr als man meint.

Die Wahl des richtigen Bodengrunds
Ausschlaggebend ist hier, wer das Aquarium bewohnt. Es gibt viele Fische, die auf speziellen Bodengrund angewiesen sind.

Sand
Panzerwelse aller Arten mögen gerne Sand und feinen Kies, da sie ihn durchpflügen und ihren Speiseplan durch gefundene Leckerbissen aufbessern können. Dornaugen buddeln sich gerne komplett im Sand ein. Viele Barsche saugen Sand ein und spucken ihn wieder aus, alles was fressbar ist bleibt im Maul. Diese Fische können mit Kies oder Steinen nicht viel anfangen. Kies kann nicht durchpflügt werden oder führt zu Blessuren an Mäulern und Bäuchen. Scharfe Kieskanten können sogar zu schweren Verletzungen führen.

Kies
Alles über 2mm Körnung gilt als Kies. Falls man bodenbewohnende Fische nicht hält, kann man bedenkenlos zum Kies greifen. Den gibt es in verschiedenen Körnungen, den man je nach persönlichen Geschmack aussuchen kann. Es sollte aber auf eine einheitliche Körnung geachtet werden. Eine Vermischung verschiedener Kiesgrößen führt zur Verdichtung des Bodengrundes, und er kann nicht mehr oder nicht mehr so gut vom Wasser durchlaufen werden. Einige grobe Kiesel auf dem Kies sinf kein Problem und setzen meist schöne Akzente.

Beschaffenheit
Egal ob Sand oder Kies, er sollte natürlich sein. Verzichtet werden sollte also auf Kunststoff-Kies oder Kunststoff-ummantelter Kies, der hat meiner Meinung nach nichts in einem gesunden Aquarium zu suchen. Egal ob dir Pink oder Himmelblau gefällt, es kommt in der Natur wohl nicht vor. Daran solltest du dich halten. Abgerundete Kanten sind immer gut. Ich kenne keinen Fisch, der scharfe Kanten braucht. Auch sollte der Sand oder Kies kalkfrei sein. Kalk führt zur Anhebung der Wasserhärte, was in der Regel unerwünscht ist. Bei vielen Barschen ist das in Ordnung, jedoch würde ich dort auf eine geregelte Härtequelle zurückgreifen, und nicht auf Bodengrund als unkontrollierbaren Aufhärter.

Farbe
Es gibt jede Menge natürlichen Kies in verschiedenen Farbtönen, von der normalen Kiesmischung mal abgesehen. Da gibt es zum Beispiel schwarz, weiss, braun, rötlich, grünlich, oder leicht rosé. Gewählt werden kann nach dem persönlichen Empfinden, besser natürlich nach dem Habitat der Bewohner.

Menge / Höhe
Nun, da gibt es viele unterschiedliche Angaben. Es gibt „vorne weniger, hinten höher“ für den Tiefen-Effekt, es gibt die Regel „5-7cm“.
Das ist auch alles nicht falsch, man sollte aber auch auf die Fische und Pflanzen achten. Die meisten Pflanzen wurzeln flach, da ist die Höhe von 4-5cm vollkommen ausreichend. Viele Fische buddeln längst nicht so tief. Es gibt aber auch Pflanzen und Fische, die eine höhere Bodenschicht bevorzugen, bzw. wo es sich besser anbietet. Viele Barsche buddelt richtige Krater, da sollte die Schicht schon bis zu 10cm oder mehr betragen. Viele Pflanzen, wie die überall erhältlichen Echinodorus, bilden große und hohe Wurzeln aus, die Platz brauchen. Auch hier sollte ein wenig mehr auf Höhe geachtet werden. Möglich sind auch Terrassen, bei denen man die großen Pflanzen in eine höhere Schicht Kies unterbringt.
Wichtig hier zu erwähnen ist, dass bei zunehmender Höhe des Bodengrundes vermehrt Faulschlammbildung auftreten kann, da nicht genügend Sauerstoff in die tieferen Schichten dringt. Um dem entgegen zu wirken empfehle ich die Haltung von Turmdeckelschnecken (z.B. Nadel-Kronenschnecke Melanoides tuberculata). Diese durchwühlt schonend die obersten Schichten des Bodengrundes und sorgt für schlammfreie Wasserkanäle.

Filtereigenschaften
Der richtige Bodengrund dient nicht nur zum festhalten der Pflanzen, er hat auch hervorragende biologische Filtereigenschaften.
Bei Sand ist dieser Effekt leider nicht so gut gegeben, da das Wasser nicht durch den Sand gespült wird, höchsten wenige mm. Dafür können aber Kot und Futterreste nicht in die Spalten eindringen und der Dreck kann direkt von der Boden-Oberfläche entfernt werden.
Bei Kies ist die Oberfläche des Bodengrundes meist größer als die im Außenfilter, und das sollte doch ausgenutzt werden! Man sollte als bei der Anordnung von Absaugrohr und Strahlrohr drauf achten, das soviel Boden-Oberfläche wie möglich umspült wird. Wenn der Bodengrund gut funktioniert, werden verschiedenste Schadstoffe im Wasser durch die sich dort angesiedelten Baktieren umgewandelt bzw. abgebaut. Dies führt zu einer Verbesserung der Wasserqualität und stabilisiert die Wasserwerte.

Reinigung
Bei der Reinigung sollte man schnelle Bewegungen vermeiden, und auch nur die Oberfläche absaugen, nicht unbedingt in die Tiefe gehen. Dadurch würde man die ganzen guten Bakteriennester mit wegsaugen, und den Dreck weiter nach unten drücken. Auch würde man die unteren Kiesschichen immer weiter zusammenstauchen. Eine oberflächliche Reinigung entfernt grobe Verunreinigung und sorgt dafür, dass wieder mehr Wasser, und somit mehr Sauerstoff, in den Kies eindringen kann und die Baktieren besser versorgt werden können.

Nährstoff-Depot
Es gibt viele Hersteller von Nährstoff-Böden, die als Schicht unter den eigentlichen Bodenkies gegeben wird. Sie versorgt die Pflanzen mit allen nötigen Nährstoffen, Mineralien und Spurenelementen. Das macht bei einer Neueinrichtung Sinn, da im neuen Kies noch keinerlei Mulm und Dreck vorhanden ist. Allerdings ändert sich das auch schnell. Weiter können unter Holz-Wurzeln oder Steinaufbauten die Nährböden nicht abgebaut werden, und fangen unter Umständen an zu faulen. Außerdem vermischt sich im Laufe der Zeit das Granulat des Nährstoff-Depots mit dem Bodenkies/Sand, der dann eher schmutzig aussieht (sehr auffällig beim schwarzen oder weissen Sand/Kies). Ich würde ihn nicht empfehlen, sondern eher gezielt mit Dünge-Tabletten/Stäbchen/Bällen arbeiten sowie auch mit Flüssigdünger.

Fazit:
Also wenn deine Fische im natürlichen Lebensraum rot-braunen Sand haben, dann kannst du ihnen den auch im Aquarium zur Verfügung stellen. Das ist aber nicht zwingend notwendig, da wir im Aquarium längst nicht alle Faktoren berücksichten können, an die sich die Fische in freier Natur angepasst haben. Meist entscheidet das Auge, oftmals aber auch die Geldbörse.

Der richtige Bodengrund ergibt ein stimmiges Gesamtbild des Aquariums, und ähnelt im Idealfall dem natürlichen Habitat der Bewohner stark.

Übrigens: In meinem techniklosen Fensterbank-Aquarium nutze ich als Bodengrund „sera Siporax mini“. Das ist normalerweise Filtermaterial. Als Bodengrund eignet er sich auch hervorragend, da er etwas grober ist und eine riesige Oberflächte hat. Allerdings nur in einem kleinen Becken, denn in einem großen wäre die Anschaffung viel zu teuer.

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